Salzburgs Kunst-Kühe

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Das offene Gatter

Es nützt der beste Zaun nichts, wenn das Tor offen steht.

Im Ortsgebiet gelangten um etwa 1.15 Uhr nachts zwei Rinder des Beklagten von der Weide auf die vorbeiführende Bundesstraße, wobei eines mit dem PKW des Klägers zusammenstieß. Von der mit einem durchgehend über 1 m hohen Zaun eingefriedeten Weidefläche führen zwei Gatter zur Bundesstraße, wovon das eine selbsttätig schließt, das andere nicht. Durch das selbsttätig schließende Gatter führt ein öffentlicher Weg zu mehreren innerhalb des Weidegebietes stehenden
Wohnhäusern. Die Gatter blieben zuweilen offen, sodass das Vieh mitunter von der Weide auf die Bundesstraße gelangte. Der Bekl überzeugte sich allabendlich zwischen 22.00 und 23.00 Uhr, dass die Gatter verschlossen waren. Diesen Kontrollgang machte er auch in der Unfallsnacht. Nach dem Unfall wurde festgestellt, daß die Gatter geschlossen waren. Irgend jemand musste nach der Kontrolle durch den Bekl eines der beiden Gatter offen gelassen haben, das dann später
wieder geschlossen worden ist. Der OGH betonte, dass es auf die im Einzelfall gebotenen Vorsichtsmaßnahmen ankommt. Der Bekl sei sich der Gefahr bewusst gewesen, dass seine Rinder durch ein von Bewohnern innerhalb des umzäunten Weidegebietes oder von Besuchern dieser Bewohner offen gelassenes Gatter auf die Bundesstraße ausbrechen könnten. Die Überprüfung der Gatter am Abend dahin, ob diese geschlossen seien, war somit keine hinlängliche Maßnahme, das Ausbrechen der Tiere bei Nacht zu unterbinden. Schon das Berufungsgericht führte aus, der Beklagte hätte bei dieser Sachlage entweder durch Einzäunung der Wege oder Errichtung von Rosten oder durch eine Abgrenzung der jeweiligen Weideflächen mit einem elektrisch geladenen Weidezaun dagegen vorsorgen müssen, dass sein unbeaufsichtigtes Weidevieh auf die angrenzende Bundesstraße komme.
(ZVR 1971/53

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